Bestandesaufnahme
Die Naturwissenschaft ist an jenem Punkt angelangt, an welchem die
spirituelle Gegenwart menschlichen Seins nicht mehr als eine Folge der
materiellen Existenz erklärt werden kann, sondern an welchem
Bewusstsein als die grundlegende Matrix aller phänomenalen und
nicht-phänomenalen Existenz anerkannt werden muss. In diesem Weltbild
wird der Mensch als ein hauptsächlich geistiges Wesen verstanden
werden, in welchem sich jene schöpferischen Kräfte offenbaren, welche
die Grundlage auch aller physikalischen Erscheinungen sind. Die
spirituelle Kraft wird als die primäre evolutionäre Kraft im Menschen
erkannt werden, und ihr wird in diesem neuen anthroposophischen
Verständnis eine zentrale Bedeutung zukommen.
Alle Dinge dieser Welt sind auf ihrer feinsten Existenzebene
miteinander verbunden. Wir beeinflussen und formen daher täglich unsere
Umwelt durch unsere Gedanken, Worte und Taten. Wir sollten uns deshalb
verantwortlich fühlen für die Bedingungen, unter denen die Menschen
leben müssen; denn wir haben es in der Hand, diese zu ändern.
Die Bedingungen des Lebens sind dreifältig. Als erstes ist unser Leben
abhängig von unserer stofflichen Umwelt. Als zweites unterliegt es
kosmischen Gesetzen des Wandels und seiner Einflüsse. Wir nennen sie
die astrologischen Bedingungen. Als drittes sind die Ursache bedingten,
kausalen Einflüsse der Menschen zu nennen, die von vergangenen Taten
geformt werden und die sich hauptsächlich in unserer physischen und
mentalen Konstitution äußern. Wir kennen sie unter der Bezeichnung
Karma.
Diese drei Bedingungen formen und prägen unser ganzes Dasein. Die
Meinung, dass wir diesen hilflos ausgeliefert seien, ist jedoch ein
Trugschluss. Was sich in negativer Weise beeinflussen lässt, kann
grundsätzlich auch in positiver Weise verändert werden! Bevor wir
jemandem die Schuld für eine Misere geben, sollten wir daher bei uns
selbst beginnen, die Situation zu bessern. Jeder wissende Mensch, der
als Konsequenz seines Wissens dieses nicht in die Tat umsetzt, und
damit die Allgemeinsituation in der Welt verbessert, ist in gewisser
Weise mit verantwortlich für die Missetaten anderer.
Spirituell-juristisch gesehen wäre dieses Vergehen eine ‘wissentliche
Unterlassung einer Hilfeleistung zum Fortschritt der menschlichen
Gemeinschaft‘.
Die Konsequenz aus dem Wissen vom ganzheitlichen Leben, wie es uns in
der Lehre des Akshara Vidyâ vermittelt wird, ist die Praxis der
Vedischen oder Mystischen Meditation. Die aus den Upanischaden, den
mystischen Schriften des Veda, bekannte sog. Vedische Meditation
erweitert unser Bewusstsein und damit unser Verstehen und Begreifen der
Ursache bedingten kosmischen Vorgänge. Gleichzeitig werden karmische
Wirkungen von früheren Taten - auch diejenige anderer Menschen -
positiv geladen und evolutionär wirksam. Kosmische Einflüsse werden
lebensunterstützend und gereichen zu unserem physischen und
spirituellen Wohl. Kurzum: Meditation ist Fortschritt schaffend! Ein
meditierender Mensch belebt seinen Körper und Geist und wirkt gesundend
auf sich, seine Umgebung und auf die ganze Welt. Dies ist der geringste
Beitrag, den jeder zum Wohle der Gesellschaft leisten kann und sollte.
Wer meditiert säht einen Samen, der zur Frucht reift, welche die ganze
Welt geniessen wird.
Die Welt ist in ihrer Essenz Bewusstsein. Veränderungen müssen daher im
Bewusstsein beginnen. Wir müssen unser Bewusstsein in seinen
ursprünglichen, natürlichen Zustand zurückführen, um die kausale Kette
der Ursache begründeten Folgen sprengen und auflösen zu können. Der
natürliche Zustand unseres Bewusstseins aber ist Reinheit, Seligkeit.
In diesem Zustand lösen sich alle Hindernisse und Schwierigkeiten auf.
Ein innerer Wandel findet statt, der die Grundlage bildet für eine neue
Weltsicht und Handlungsweise. Wir lernen, das Leben als aus zwei
komplementären Lebensbereichen bestehend zu begreifen, nämlich der
manifesten, äußeren Welt und der unmanifesten, inneren Existenz.
Der äußere Lebensbereich ist vergänglicher Natur, der Bereich der Zeit,
des Wandels und des Fortschritts. Er wird daher auch der relative
Lebensbereich oder ganz einfach das Relative genannt. Der innere
Lebensbereich ist demgegenüber unvergänglicher Natur, der Bereich des
Ewigen, Unzerstörbaren, Vollkommenen, der Bereich reinen Seins. Er wird
deshalb auch der absolute Lebensbereich oder kurzum das Absolute
genannt.
Das Absolute im Menschen ist seine spirituelle Seele, sein vollkommenes
Selbst. Ihm wird - im Gegensatz zum Relativen, welches in der heutigen
Welt der dominante Lebensbereich ist - verhältnismäßig wenig
Aufmerksamkeit gegeben. Da dem inneren Menschen zu wenig Bedeutung
beigemessen wird und wir die Seele deshalb aus unserem Blickwinkel
verloren haben, konnte die relative Welt den Menschen vollends für sich
einnehmen. Weil aber das Leben im Relativen einem steten Wandel
unterworfen ist und sich daher andauernd ändert, trägt es den Samen des
Leids in sich. Das grundsätzliche Problem ist der allgemeine Verlust
von innerer Lebensqualität. Der Mangel an innerer, wahrnehmbarer
Vollkommenheit lässt den Menschen Erfüllung in der äußeren Welt suchen.
Da dort aber bleibende Erfüllung nicht gefunden werden kann, kämpft der
Mensch jahrein und jahraus vergeblich um ein glückliches Leben.
Die heutigen Problematiken in der Welt sind grundsätzlich
spirituell-sozialer Natur. Sie liegen im Wesentlichen im allgemeinen
Mangel an gelebter Spiritualität. Dies resultiert in einer fehlenden
oder falschen ideologischen Ausrichtung der Menschen. Erst wenn der
Mensch lernt, die absoluten Lebenswerte des Selbst ins Leben zu
integrieren, wird das Leben jene Qualität erhalten, nach welcher er
sich sehnt und worum er sich so leidenschaftlich bemüht, und es wird
jene Ausrichtung nehmen, die dauerhafter Friede und Wohlfahrt in der
Gesellschaft sichert. Das Leben verlangt von uns, nicht nur in der
äußeren Welt bestehen zu können, sondern beide Bereiche des Lebens so
zu integrieren, dass damit das mangelhafte äußere Leben vom
vollkommenen inneren Sein befruchtet und genährt wird.
Das Feine ist die Ursache des Groben, das Kleine jene des Großen, das
Unsichtbare jene des Sichtbaren und das Absolute jene des Relativen.
Deshalb ist das Innere die Ursache des Äußeren und die Seele die
Ursache von Sein. Um das Äußere, Grobe, in den Griff zu bekommen müssen
wir daher das Feine, Innere, beherrschen. Dieses aber ist unsere
transzendente Seele, unsere reine innere, spirituelle Natur, unser
wahres, vollkommenes Selbst. Hierin liegt die Herausforderung in der
heutigen Zeit, in der Integration der beiden komplementären
Lebensbereiche, in der Bereicherung des äußeren Lebens durch die
Entfaltung der inneren, spirituellen Seelenkräfte. Die Fähigkeit dazu
liegt in jedem Menschen verborgen. Wir müssen unsere innere, glorreiche
Existenz entdecken und zur Blüte treiben, um die süßen Früchte unseres
Schaffens genießen zu können.
Die neue Zeit
Die Sehnsucht der von Widrigkeiten geplagten und nach Erlösung
dürstenden Menschen nach einem Leben ohne Leiden, hat in ihrem
Aufschrei das kollektive Bewusstsein der Menschheit erfasst. Das
destruktive kosmische Energiepotenzial wurde dadurch solcherart
aufgeladen, dass es in Bälde mit geballter Kraft auf die Erde
hereinbrechen und alles zerstören wird, was der höheren Entwicklung und
dem geistig-spirituellen Fortschritt des Menschen hinderlich ist. Nach
grossen wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen wird das Groß der
technologischen Errungenschaften der letzten Jahrhunderte durch eine
apokalyptische Naturkatastrophe unglaublichen Ausmaßes vernichtet
werden. Danach wird sich die Welt aus der Asche erheben. Sie wird neu
erblühen und lebenswerter sein, mit einem Antlitz, das schöner und
reiner sein wird, als je zuvor. Die Wirtschafts- und Sozialstrukturen
werden unter dem Gesichtspunkt des geistig-spirituellen Fortschritts
der Menschen vollkommen neu ausgerichtet werden. Die Technologien
werden nicht mehr in destruktiver Weise benutzt. Der Mensch wird höhere
Formen der Kosmischen Energie entdecken und zu seinem Wohl
anwenden. Auseinandersetzungen aller Art,
Unterdrückung und Missbrauch gehören der Vergangenheit an. Alle
Menschen begegnen sich mit Fürsorge, Respekt und Anerkennung und
betrachten sich gegenseitig als Brüder und Schwestern. Alle Künste und
Wissenschaftszweige werden im Hinblick auf das geistig-spirituelle
Wachstum der Menschen und der Erkenntnis der letztendlichen, göttlichen
Wahrheit entfaltet werden. Ein
goldenes Zeitalter bricht an, das für mehrere tausend Jahre
bestehen wird.
Anton Tönz
16. März 2008
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